Schule, Sport, Kultur, Soziales

26.08.12 (Heidrun Osterhoff)

Aus für die Gemeindebücherei?

Die erste Ausschusssitzung nach den Sommerferien beginnt mit einem Paukenschlag. Im Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Soziales am Donnerstag, den 30.8.2012 wird über den SPD-Antrag beraten, unsere Appener Gemeindebücherei völlig neu zu organisieren.

Dieser SPD-Antrag ist die Amputation der „Gemeindebücherei für alle Bürger“ in eine ehrenamtlich geführte Bücherei nur für die Grundschule.


Die SPD beantragt, keine hauptamtliche Neubesetzung der Büchereileitung vorzunehmen, sondern die Bücherei künftig lediglich als Schulbücherei unter der Leitung einer ehrenamtlichen Kraft  gegen eine Aufwandsentschädigung zu betreiben. Das einzige Kriterium für die SPD ist, dass diese Aufgabe ehrenamtlich erfolgen muss. Fachliche Kompetenz fordert sie nicht.
Die FDP lehnt diesen Antrag entschieden ab.
Der SPD-Antrag weiter: Im nächsten Jahr erreicht die derzeitige Leiterin die Altersgrenze zur Inanspruchnahme der gesetzlichen Rente. Vor der Neubesetzung einer gemeindlichen Stelle soll geprüft werden, ob eine entsprechende Notwendigkeit besteht. Die Reduzierung auf eine Schulbücherei, die gegen eine Aufwandsentschädigung betrieben wird, würde zu einer merklichen Entlastung des Gemeindehaushaltes führen. Die SPD: Der Wegfall des Angebotes für Erwachsene bedeutet keine wesentliche Einschränkung, da sich gut ausgestattete Büchereien in unmittelbare Nähe der Gemeinde befinden.
Dieser SPD-Antrag ist unsozial, familien- und bildungsfeindlich.
Unsere Gemeindebücherei steht seit über 50 Jahren allen Appener Bürgern zur Verfügung:
  • Familien mit Kleinkindern, die sich - kostenlos - aus dem großen Angebot bedienen können.
    Das würde zukünftig entfallen.
  • Der Grundsschule mit 250 Kindern, die die Bücherei fest in den Unterricht integriert hat.
    Das wird zukünftig ohne Fachkompetenz erfolgen.
  • Den Kindergärten, die sich Bilderbücher und themenorientierte Bücher holen
    Das würde zukünftig entfallen.
  • den Schülern an weiterführenden Schulen
    Das würde zukünftig entfallen.
  • den Erwachsenen, darunter viele Senioren.Auch das würde zukünftig entfallen.

Viele Mütter sind mit ihren Kindern Besucher der Bücherei, oft schon nach deren erstem Lebensjahr. Ein sehr großes, liebevoll ausgesuchtes Angebot für jedes Alter führt die Kleinen an das Lesen heran und bietet ein großes Angebot zum Vorlesen. Bei einem Preis von oft 13 € für ein Kinderbuch wissen junge Familien das  kostenlose Angebot und die Beratung zu schätzen. Viele haben kein Auto. Mit der Kinderkarre im Bus zur Pinneberger Bücherei und die Kosten für die Busfahrt – das ist eine erhebliche Verschlechterung, die die FDP auf jeden Fall verhindern will. Das Gleiche gilt für unsere Senioren, denen wir diese Prozedur auch nicht zumuten wollen. Viele müssten unter diesen Umständen auf einen Büchereibesuch verzichten und damit auf eine liebgewonnene und sinnvolle Beschäftigung.
Nicht zu glauben: Weder mit dem Schulleiter Bernd von Tiesenhausen noch mit der Büchereileiterin Jutta Kaufmann hat die SPD vor diesem Antrag das Gespräch gesucht, um sich sachkundig zu machen.  Hätte Herr Lorenzen als SPD-Fraktionsvorsitzender es doch getan! Offensichtlich wollte Herr Lorenzen gar nicht wissen, was diese Bücherei alles bietet und welche Bedeutung sie für viele Appener hat.
 Zu der einzigen Forderung der SPD, die Bücherei ehrenamtlich und  nur noch für die Schule zu führen, zitieren wir den Appener Schulleiter Bernd von Tiesenhausen aus dem Pinneberger Tageblatt:
Wir brauchen eine qualifizierte Kraft, um ein vernünftiges Angebot aufrecht zu erhalten. Es ist nicht damit getan, nur aufzuschreiben, wer etwas ausgeliehen hat. Eine qualifizierte Beratung ist unerlässlich und von Ehrenamtlichen nicht zu leisten. Das ist aus meiner Sicht nicht machbar.“ Das sei ein ganz starker Einschnitt, der offenbar sang- und klanglos vorgenommen werden solle. Auch zeigte sich der Schulleiter verwundert, dass die Genossen weder mit ihm noch mit Jutta Kaufmann Rücksprache gehalten hat. Warum Walter Lorenzen auf eine Rücksprache mit Jutta Kaufmann verzichtet hat, erklärt er in der Presse so: Aufgrund ihrer Rolle als FDP-Politikerin wäre es für sie eventuell schwierig geworden, unbefangen Auskunft zu geben. Dazu: Sowohl Jutta Kaufmann als auch Walter Lorenzen sind seit mehr als 25 Jahren Gemeindevertreter, haben vieles gemeinsam bewegt, aber auch unterschiedliche Positionen vertreten. Man duzt sich. Und dann kann man nicht miteinander reden?
Die SPD verbindet ihren Antrag mit dem Erreichen der Altersgrenze der jetzigen Büchereileiterin im kommenden Jahr. Mit der Amputation der Bücherei zu einer Schulbücherei verspricht sie zukünftig eine merkliche Entlastung des Gemeindehaushaltes. Wie groß diese Entlastung sein wird, sagt sie nicht oder weiß sie nicht? Dazu bemerkt: auch für diese ehrenamtliche Person oder mehrere ? ist eine Aufwandsentschädigung vorgesehen. Die FDP sagt: Bei einem Haushaltsvolumen von mehr als 8 Millionen € ist der Spareffekt angemessen an der gravierenden Verschlechterung nicht nur für unsere Schulkinder sondern für alle Bürger unserer Gemeinde  minimal und inakzeptabel.

Wussten Sie, dass es unsere Bücherei seit mehr als 50 Jahren gibt?  Der damalige Schulleiter Gerhard Schlüns hat die „Bücherei für alle“ aufgebaut und sie dreißig Jahre ehrenamtlich geleitet. Seit 25 Jahren ist Jutta Kaufmann Büchereileiterin. Qualifiziert für diese Aufgabe,  hat sie die kleine Bücherei zu einer modernen Bücherei ausgebaut, die den Ansprüchen einer Gemeinde mit mehr als 5.000 Einwohnern  gerecht wird und vorbildlich ist. 14.000 Buchausleihungen im Jahr sind eine stolze Bilanz. Nach 20-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit mit einer Aufwandsentschädigung wurde Jutta Kaufmann vor fünf Jahren mit 19,7 Wochenstunden bei der Gemeinde angestellt. Ehrenamtlich war diese Tätigkeit, auch wegen der immer stärkeren Einbindung in die Schularbeit,  nicht mehr zu bewältigen. Im September hat Jutta Kaufmann 25-jähriges Jubiläum.
Wir meinen abschließend:
Appen ist eine lebenswerte und bürgerfreundliche Wohngemeinde. Eine Bücherei für alle Bürger auf einem hohen Niveau, um die uns viele Gemeinden beneiden,  sollten wir uns auch zukünftig leisten.
 Die FDP wird für unsere Bücherei kämpfen und beantragen, die Gemeindebücherei mit einer qualifizierten Fachkraft als Bücherei für alle Bürger zu erhalten.

Die Sitzung des Ausschusses Schule, Kultur, Sport und Soziales findet statt am Donnerstag, den 30. August 2012 um 19.30 Uhr im Bürgerhaus. Wir würden uns über viele Zuhörer freuen.


Zur Erläuterung für alle Leserinnen und Leser dieser Seite:
Jutta Kaufmann ist seit 25 Jahren FDP-Gemeindevertreterin, sie ist FDP-Vorsitzende und Stellvertretende Bürgermeisterin. Seit 25 Jahren  ist sie auch die Leiterin unserer Bücherei. Das war in den vergangenen Jahren nie ein Problem.Ich, Heidrun Osterhoff, bin ebenfalls FDP-Gemeindevertreterin und die Vorsitzende des Ausschusses für Schule, Kultur, Sport und Soziales.
Für diejenigen, denen es nicht bekannt ist: wir sind Zwillingsschwestern.